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Wie lernt man fliegen ?

Die Praxis: Schritt für Schritt

Um einen ersten Eindruck vom Segelfliegen zu bekommen, nimmt man sich am besten einen ganzen Tag Zeit und Schulstartbesucht ein Fluggelände, denn nicht nur der Flug an sich macht diesen Sport aus. Es gibt vieles drum herum, was man genauso erlernen muss. Man fragt einen Fluglehrer ob man bei den Vorbereitungen des Flugbetriebes mithelfen kann und ob die Möglichkeit zu einem Probeflug besteht ! Hat einem dieser Tag gefallen und man hat sich dazu entschieden Segelfliegen zu  erlernen fängt die Schulung an. Man bekommt einen Lehrer zugewiesen, der in der Zeit bis zum Schein für einen verantwortlich ist. Der erste Teil der Schulung findet mit dem Fluglehrer in einem doppelsitzigen Flugzeug statt. Hier gibt es eine Menge zu lernen, angefangen mit dem scheinbar so einfachen Geradeausflug, der Koordination von Höhen-Anflug Landeklappen Quer- und Seitenruder in der Kurve, Start und Landung und schließlich die Beherrschung besonderer Situationen wie Startunterbrechung oder 'Anflug aus ungewohnter Position'.

Sobald der Flugschüler erlernt hat, ein Flugzeug sicher zu steuern, wird es richtig spannend: Er darf zum ersten mal alleine fliegen - natürlich mit Sicht- und Funkkontakt zum Fluglehrer. Hat man drei Alleinflüge tadellos absolviert, hat man seine erste Prüfung abgelegt, die A-Prüfung. Fragen Sie mal einen Segelflieger, der heute tausende Stunden im Flugbuch stehen hat ob er sich noch an seinen ersten Alleinflug und an seine A-Prüfung erinnert. Eine Warnung vorab - wenn Sie das tun sollten sie Zeit mitbringen !  

A-PruefungDer erste Alleinflug ist zwar ein unvergesslicher, erster Höhepunkt, aber noch nicht das Ende der Ausbildung. Nach der A-Prüfung heißt es, das bisher erlernte alleine oder mit Fluglehrer zu vervollkommnen. Nach dem Doppelsitzer den man in der Schulung geflogen hat darf man nun auch erstmals ein einsitziges Segelflugzeug fliegen. Bis zur Prüfung für die Pilotenlizenz (vergleichbar mit dem Führerschein) werden noch zwei Prüfungen (die praktische B- und C-Prüfung) abgelegt, man fliegt zunehmend modernere, leistungsfähigere Segelflugzeuge und die Flüge werden bei hoffentlich guter Thermik länger. 

Neben der Ausbildung im Windenstart erlernen die Flugschüler nun auch den Flugzeugschlepp, mit dem das Segelflugzeug zum einen höher geschleppt werden kann und zum anderen in eine für den 'Thermikanschluss' - also das erreichen eines Aufwindes - bessere Position. Gegen Ende der Ausbildung absolviert der Flugschüler 'Überlandflugeinweisungen' - Flüge mit Lehrer die Ihn erstmals weit vom Heimatflugplatz weg führen und Ihn auf seinen ersten Überlandflug über mindestens 50 km vorbereiten. 

D-ELFRDie Theorie

Wie funktioniert die Steuerung beim Segelflugzeug? Welche Wolkenarten kündigen schlechtes Wetter an? Wie finde ich mich bei Überlandflügen zurecht? Und wie schnell darf ich eigentlich fliegen?

Im Winter, wenn das Wetter keinen Flugbetrieb zulässt, geht es dann zum theoretischen Unterricht, wo diese und andere Fragen beantwortet werden. Neben den Bauraumarbeiten - bei denen man durch die Werkstattleiter lernt wie das Flugzeug funktioniert und wie man einfache Reparaturen ausführt - finden wöchentlich 1 ½ Stunden Theorieunterricht statt. Hier erwerben angehende Segelflieger nützliches Hintergrundwissen über Technik, Meteorologie, Navigation, Luftrecht und Verhalten in besonderen Fällen. Auch der theoretische Segelflug-Unterricht endet mit einer Prüfung, deren Bestehen Vorraussetzung für die Pilotenlizenz ist.

Vorraussetzungen: 14 Jahre und ein Besuch beim Fliegerarzt.

Ab 14 darf man die Ausbildung beginnen und auch alleine fliegen; ab 16 darf man den Pilotenschein erwerben. Vorraussetzung für den ersten Schulstart ist ein Besuch beim Fliegerarzt, der die allgemeine Gesundheit durchcheckt.

Und wie viel Zeit und Geld muss ich mitbringen?

Ein eigenes Flugzeug muss sich kein Segelflieger kaufen – dafür gibt es Vereinsflugzeuge. Da die Fluglehrer zudem ehrenamtlich arbeiten, sind Mitgliedsbeiträge, Gebühren für Starts und Flugzeiten und Prüfungsgebühren die einzigen Kosten, die für den Flugschein und das weitere fliegen anfallen. Segelfliegen ist also –im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten wie beispielsweise reiten, Tennis oder Skilaufen- ein relativ preiswertes Hobby, dass aber im Gegenzug mehr Zeitaufwand und Mitarbeit erfordert als manch anderes Hobby. Die Flugschüler sind mitverantwortlich für den Ablauf des Flugbetriebes - schließlich werden in einem Segelflugverein alle Aufgaben ehrenamtlich erfüllt.

Darum sollte jeder am Wochenende mindestens einen Tag Zeit haben.

Lehrgänge

In den Sommerferien werden zusätzlich - meist zweiwöchige- Lehrgänge angeboten, an denen auch außerhalb der Mitgliedschaft teilgenommen werden kann. In diesen Lehrgängen wird am Flugplatz in Zelten übernachtet. Im Moment betragen die Kosten 100 € pro Woche, inklusiv Badnutzung und Verpflegung. Lehrgänge – manche finden auch im Ausland statt- sind für die Schulung natürlich effektiver.

Neben den fliegerischen Höhepunkten sind sie auch oft Ausgangspunkt neuer Freundschaften und bringen auch bei nichtfliegerischen Aktivitäten (gemütliches Beisammensitzen am Lagerfeuer, Schnitzeljagd, Naturschutz, schwimmen gehen,...)
viel Spaß.